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Press: Anschläge, Vienna

Anschläge: http://www.anschlaege.at

/etc 2007 Eclectic Tech Carnival
Reni Hofmüller

Vom 11. - 15. Juli findet der Eclectic Tech Carnival erstmals in
Linz statt. Frauen, die sich für Technologie interessieren,
Workshops geben und daran teilnehmen, die eine andere Art der
Wissensvermittlung wollen, die mit anderen Frauen aus den
unterschiedlichsten Regionen der Welt zusammenkommen und
Auswirkungen von Technologie auf ihre Leben diskutieren möchten, die
sich andere Umgangsweisen mit Technologie wünschen, die die
Verwendung von Technologie als politische Entscheidung begreifen und
die Spass daran haben, sich mit anderen Frauen auszutauschen.
Der /etc findet immer dort statt, wo ein paar Frauen entscheiden,
dass sie die Organisation in ihrer Stadt übernehmen können. In Linz
sind das Uschi Reiter, servus.at, die Medienaktivistin Aileen
Derieg, Rubia Salgado und Cristiane Tasinato von MAIZ, und Olivia
Schütz und Anna Masoner von der Stadtwerkstatt. Gemeinsam mit dem
internationalen Organisationsteam des /etc arbeiten sie seit einigen
Monaten am Programm für Linz.

Ein Blick in die Geschichte

Angefangen hat alles in Amsterdam. Im Hacklab Ascii initiierten Sisi
Nutt, Sara Platon und Tali Smith im November 1999 die Gender Changer
Academy, in der Frauen mit und für Frauen Hardware- und
Freie-Software-Kurse organisieren; so ist Donna Metzlar gleich nach
dem ersten Hardwarekurs bei den genderchangers geblieben. Bei einem
dieser Treffen war Ivana Pavic, Systemadministratorin aus Zagreb,
mit dabei. Und meinte: "So was brauchen wir auch!". Nach einigem
Überlegen fiel die Wahl auf Pula. Und im Hacklab Monte Paradiso im
besetzten Kulturzentrum ROJC in der ehemaligen Kaserne wurde dann
der erste Eclectic Tech Carnival gefeiert. 2003 - Athen, 2004 -
Belgrad, bei Zene na delu (Women at Work), 2005 - Graz, in der ESC
im Labor, 2006 - Timisoara, bei h.arta.

Die Genderchangers

"Wir sind eine Gruppe von Frauen, die Technologie mögen, aber nicht
notwendigerweise Computerwissenschaften oder Maschinenbau studiert
haben. Unsere Leidenschaft, Technik verstehen und demystifizieren zu
wollen, resultiert aus der Tatsache, dass wir es lustig, nützlich
und notwendig in der heutigen Kommunikation finden. Wir sind
Autodidaktinnen, unsere Fähigkeiten sind also aus einer DIY
Do-It-Yourself-Haltung entstanden." (1)

Die Philosophie
Klar - mithilfe einer Suchmaschine kann "alles" im Internet gefunden
werden, aber der direkte Austausch kann durch kein Werkzeug ersetzt
werden. "Wir verfolgen 3 Aspekte: Frauen, Technologie und Freiheit
der Information. Zum ersten fällt uns immer wieder auf, wie
unterschiedlich Frauen und Männer mit Technologie umgehen, damit
arbeiten, lernen. Zum zweiten macht es uns Spass, Hard- und Software
auseinanderzunehmen, sie zu verändern, an unsere Bedürfnisse
anzupassen. Und zum dritten gibt es unserer Meinung nach so was wie
"die Originalidee" nicht, und deswegen schon gar nicht so was wie
das Recht, sie zu besitzen. Wissen entsteht und existiert immer in
einem Zusammenhang, baut auf vorhandenem Wissen auf und wächst. Es
ist absurd, dass die Quelle (der Source) versteckt, geheimgehalten,
geschlossen ist.
Wir versuchen also, einen ganzheitlichen Zugang zu Technologie zu
schaffen. Es geht um mehr als um die neuesten Entwicklungen
(kleiner, schneller, billiger). Wer macht die Gegenstände, unter
welchen Bedingungen, wieviel verdienen diese Menschen, woher kommen
die Rohstoffe, wie werden die Produkte entsorgt, und was sind die
physischen und psychologischen Auswirkungen von andauernder
Computerarbeit aus uns BenutzerInnen?" (1)
Ursula: "Die Idee zu den Genderchangers entstand aus dem Bedürfnis,
genderbezogenes Verhalten v.a. im Hardwarebereich zu verändern. Es
gibt einige Hackermeetings, auch internationale Treffen, wo Du Leute
aus anderen Ländern treffen kannst, aber da siehst du maximal 1%
Frauen, wenn nicht noch weniger." (2)

Seit 2002 reisen also Frauen mit dem Wunsch zum Wissensaustausch
rund um Technologien an den Ort der Welt, an dem der Eclectic Tech
Carnival organisiert wird.

Woher der Name /etc?

Das Verzeichnis /etc ist ein Unterverzeichnis im Betriebssystem
Linux, in dem viel Systeminformation gespeichert ist, wie z.B.
Netzwerkkonfiguration oder die Liste der aktiven Geräte. Ein
wichtiges Verzeichnis innerhalb der Systemlogik von Linux also.
Donna: "Wir haben mit den drei Buchstaben /etc gespielt und sind auf
Eclectic Tech Carnival gekommen - beim /etc gehts nicht nur um[Fwd:
renis artikel fuer anschlaege]
Technik, es geht auch um Spass, es ist ein bisschen von allem, es
ist Tech, es ist Feminismus, es ist Kunst, es ist Sport, eine
Mischung aus allem möglichen eben." (2)

Was passiert beim /etc?

Milica: "It is just really nice to have a bunch of great women
around really skillfull in so many areas." (2)
Ja, die Hauptsprache ist Englisch. Das soll aber keine davon
abhalten hinzufahren; es sind immer Frauen dabei, die übersetzen
(können), die erklären, die unterstützen. In Linz kommt zudem noch
ein neuer Aspekt dazu: weil die Migrantinnenorganisation MAIZ Teil
des Vorbereitungsteams ist, ist Deutsch nicht zwangsläufig die
Mehrheitssprache, ausserdem kommen ohnehin etliche Frauen aus[Fwd:
renis artikel fuer anschlaege]
anderen Weltgegenden, also ist die Phantasie gefragt im Umgehen mit
Differenz.

Der /etc ist DIY - Do It Yourself. Und sogar noch mehr, DIT - Do It
Together, wie Donna das treffenderweise bezeichnet.
Alle, die teilnehmen, können etwas beitragen. Und tragen auch
Verantwortung für das Gesamte, für die Stimmung, für die
gegenseitige Unterstützung, für das Gelingen. Und so gibt es neben
den Techie-Workshops auch ganz andere Aktivitäten, Interventionen im
Öffentlichen Raum, gemeinsames Essen, Konzerte und Performances in
der Stadtwerkstatt, die den /etc in Linz damit auch unterstützt.
Das Programm im Detail ist auf
http://drupal.eclectictechcarnival.org/ zu finden.

"Es geht darum, alle einzubinden und herumzuspielen;
Technik ist was zum Verwenden, nicht zum Anbeten." Ursula (2)

Fussnoten
(0)
servus.at: das nichtkommerzielle Kunst- und Kulturnetzwerk,
kulturelle Schnittstelle und "backbone" im Spannungsfeld
Kunst-Kultur-Gesellschaftspolitik und Technik.
http://servus.at/
MAIZ: das Autonome Integrationszentrum von & für Migrantinnen
http://maiz.at/
Stadtwerkstatt
http://www.stwst.at/
(1)
http://genderchangers.org/
(2)
http://europeannewsreal.indymedia.org/media/enr/enr16/16/etc.mpg